Projekt 10/10 – Platz 3 beim Ultralauf

Endlich Raceweek! Ein Jahr lang habe ich hier auf Bergsport360 jeden Montag Abend vom Training für meinem Lieblinglauf berichtet und so den Druck auf eine ordentliche Platzierung maximal erhöht. 52 Wochen habe ich auf den Regensburger Landkreislauf hin gefiebert, nun war die 10te Veranstaltung von der Mittelbayerischen Zeitung zum Greifen nahe. Der Montag begann dazu perfekt mit dem Team- und Sponsorenabend des Armin Wolf Laufteams. Im den Räumlichkeiten der Brauerei Bischofshof wurden die Startnummern verteilt und die Rennstrategie durchgesprochen. Die Teamkapitäne Jonas und Christina haben dabei mit Armin Wolf die perfekte Teamzusammenstellung für die Damen- und Herrenmannschaft ausgetüftelt. Kulinarisch wurden wir dabei von Toms Kochschule und von Laugenblick verwöhnt. Tom ist in Regensburg bereits eine Institution, bei der selbst ich schon einen Kochkurs besucht habe. Den Laugenblick Food Truck von Tobias kannte ich bisher nicht, war aber begeistert. Obwohl ich kein besonderer Burger Fan bin, so schmeckten mir diese mit Laugensemmeln und Rindfleisch statt Hack hervorragend. Die Nachspeisen wurden vom Dorfbackhaus gestellt und die Astrid hat sich bzgl. ihrem legendären Rotweinkuchen auch nicht zweimal bitten lassen. Das Future Team wurde vom Clowntheater Spectaculum betreut. Stephan brachte ihnen u.a. Jonglieren bei und das durften die Kinder dann vorführen.

Am Mittwoch und am Donnerstag durfte ich für die Valerie von den Regensburger Eisbären mein Schauspieltalent auspacken. Zusammen mit Anna, Leopold und Felix wurden außerhalb von der Eishalle Clips gedreht. An der Kamera führte uns Detlef von Douplenuts TV mit Geschick und Witz durch die verschiedenen Szenen. Hautsächlich waren wir dabei im Donaueinkaufszentrum bei Dean & David und mit CityMail unterwegs. Am zweiten Tag schloss sich die Eishockey Nachwuchstalente Mia und David den Dreharbeiten an, als es auf das Eis ging. Besonders Mia hatte mächtig viel Spaß auf den Schlittschuhen und vor der Kamera. Das sah man ihr auch die ganze Zeit an. So macht ein Drehtag richtig Spaß! Mehr dazu wird aber noch nicht verraten. Die Auflösung gibt es bei den ersten drei Heimspielen der Regensburger Eisbären Ende September und Anfang Oktober.

Leopold Tausch in Arbeitsklamotten
Leopold Tausch an seinem Arbeitsplatz
Mit Felix auf dem Spielfeld der Regensburger Eisbären
Detlef und Felix
Mia war die jüngste Schauspielerin und voll in ihrem Element
Videodreh für die Eisbären

Nach dem ganztägigen Einsatz für die Videoclips am Mittwoch durfte ich wieder die MR Firmenmannschaft fotografieren. Nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit bei einem Spiel mit offenem Visier gegen die Fußballer von BMW gab es nach einem deutlichen Chancenplus in der zweiten Hälfte einen verdienten 2:1 Heimsieg. Nun ist für zwei Wochen spielfrei.

MR vs BMW
Warten auf den Einsatz
Offener Schlagabtausch

Am späten Donnerstagnachmittag machte ich mich nach dem Dreh auf den Weg nach Eltheim. Hier schaute ich mir bei herrlichstem Wetter die letzten beiden Etappen mit dem MTB an. Diese kannte ich noch nicht. Beim Ziel in Wiesent stand schon das Zelt für die große Party vor und nach dem Landkreislauf. Anschließend lief ich noch 25 Minuten eine kleine Runde beim Heiderweiher. Ich werde mich nie daran gewöhnen, dass ich die letzte Woche vor einem großen Wettkampf mein Training von manchmal 8 Trainingsläufe in der Woche mit Einheiten von bis zu 4 Stunden plötzlich so stark reduziere. Aber Ralf von tRi.P.coaching hat mich damit immer punktgenau fit an den Start gebracht.

Sonnenblumen bei Kruckenberg
Streckencheck der Etappen 9+10
Vorletztes Läufchen rund um den Zielort Wiesent

Mein Abschlusstraining fand am Freitag in Kelheim statt. Hier lief ich auf dem Altmühltal Donaupanoramaweg zum Klösterl. Dies war ab 1454 ein Franziskanerkloster, umgeben von Felsen, Höhlen, Wald und der Donau. Mit diesem letzten Lauf einen Tag vor meinem Hauptwettkampf baue ich nochmals Spannung auf, da ich durch das reduzierte Training träge werde. Diese und die Einheit am Donnerstag fielen mir sehr schwer. Da das aber jedes Jahr so ist, machte ich mir keine weiteren Gedanken darüber.

Abschlusstrainingslauf zum Klösterl bei Kelheim
Franziskanerkloster – Einsiedelei Klösterl

Raceday! Bereits um 6 Uhr in der Früh kam Simon von „Geschichten von Simon“ zu mir. Sonst fotografiert er beruflich hautsächlich Paare. Gelegentlich begleitet er Menschen einen Tag lang mit der Kamera. Z.B. hat er den Wiesn-Kellner Julian von frühmorgens bis spätabends abgelichtet. In allen möglichen Situationen. Das hatte er auch an dem Tag mit mir vor. Die ersten Fotos entstanden im Bad und beim Bäcker. Dann bei der Befüllung der Flaschen und dem Packen des Rucksacks. Kurz nach 7 Uhr holten wir meine Radbegleitung Astrid ab und fuhren zum Start nach Aufhausen. Eine Stunde vor Wettkampfbeginn fehlte mir das prickelnde Gefühl, dass ich vor harten sportlichen Entscheidungen so liebe. Auch in der Nacht vorm Rennen war keine Spur von Nervosität zu spüren. Sollte ich bei meinem 10ten Ultralauf so abgebrüht sein, dass es zur Gewohnheit wird? Genau das wollte ich nicht! Marina meinte dazu, ob ich nervös bin, weil ich nicht nervös bin. Doch 30 Minuten später beim Warm-up mit Marina war es wieder da. Mein ganzer Körper war durch die Musik, der Bewegung und die Gespräche mit den anderen Teilnehmern plötzlich wieder positiv geladen! Ab nun konnte es bloß noch gut werden. Kurz vorm Start schickte ich Mauro und Astrid bereits auf die Reise, damit sie anfangs, wenn sich das Läuferfeld noch nicht entzerrt hat, niemanden stören. Auch Simon, der in Aufhausen mit der Kamera die Stimmung bildlich eingefangen hat, schwang sich auf sein Bike. Mein Training und das Tapering machten sich sofort bezahlt. Die ersten 20 Kilometer mit ca. 200 Höhenmeter flog ich dahin. Getragen von den anderen Ultra- und Staffelläufer um mich rum. Mit einer Pace von 4:40 Min/km war ich eigentlich zu schnell unterwegs. Aber da mein Puls nicht auffällig war und ich dabei kaum Kraft investierte, vertraute ich auf meine Stärke. Mein Trainer Ralf sagt immer: Stärkephasen nutzen, Schwächephasen zulassen. Gesagt getan! Ab der 3ten Etappe wurde es sehr flach. Die letzten 5 km nach Moosham waren durch die kerzengerade Streckenführung etwas monoton, aber ich kam mit eine 4:46er Pace weiter gut durch. Ab Moosham wurde für lange Zeit immer wieder auf Schotter gelaufen. Hier nahm ich das Tempo etwas raus, da ich mehr Anstrengung für die gleiche Geschwindigkeit investieren hatte müssen. Nach ca. 37km wurde es immer schwerer und nach 2/3 des Rennens wurde es richtig hart. Hier nach 50 km war noch mehr als die Beine mein Kopf gefragt. Es galt, die Motivation hoch zu halten. In der 2ten Hälfte lief ich immer eine Pace zwischen 5:13 Min/km und 5:38 Min/km. Hier hatte ich mit einem stärkeren Rückgang gerechnet. Obwohl ich hier langsamer wurde, konnte ich vor allem auf den letzten beiden Etappen wieder Boden gut machen. Also genau auf den Strecken, als es mir am Schlechtesten ging. Und genau hier beflügelten mich die unzähligen Anfeuerungen der Staffelläufer, die in den Wechselzonen auf ihre Teamkameraden warteten. Egal wie mies ich mich innerlich fühlte, durch die Zeitnahmestellen wurde ich gefühlt auf Händen getragen. Brust raus, Kopf hoch, lächeln und ab geht die Post! Und wenn das nicht mehr half, dachte ich an die Bilder zur Laufhaltung, die Thomas in meinen Kopf gehämmert hatte. Durch das stärkste Teilnehmerfeld bei den Ultraläufern, dass der Landkreislauf je hatte, rechnete ich mir maximal einen 5ten Platz aus. Während der zweiten Hälfte hatte ich die Info, dass ich sogar an 4ter Position bin. Damit oder auch mit dem 5ten Rang wäre ich extrem glücklich gewesen. Aber es kam anders. Nach einem furiosen Zielsprint auf den letzten paar hundert Metern, zu dem ich durch Christoph angestachelt wurde, bekam ich die Info, dass ich der drittschnellste Ultraläufer bin. Sofort wurden Endorphine bis zur Glückseligkeit ausgeschüttet. Emotionen pur! Nach meinen beiden Podiumsplätzen 2013 und 2014 gelang mir erneut eine Platzierung auf dem Stockerl. Und das nach meinem 4ten Rang im Vorjahr. Weiter freute ich mich sehr für das Armin Wolf Laufteam, die sensationell die ersten Plätze der Damen- und Herrenwertung absahnten. Das Ergebnis wurde durch Andi, Matthias, Stephan und mir richtig rund, da auch alle vier Armin Wolf Laufteam Ultras ins Ziel kamen und so Spendengelder für einen guten Zweck sammelten.
Richtig Spaß machte auch wieder die Siegerehrung bei diesem perfekt organisierten Event. Aufgeheizt durch die Ehrung der Armin Wolf Mannschaften wurden plötzlich Tom und ich auf die Bühne gerufen. Tom wurde für sein Engagement als 9facher Besenläufer ausgezeichnet und ich als der einziger Ultra, der alle 10 Landkreisläufe im Alleingang bewältigte. Dafür bekamen wir jeweils ein speziell designtes Shirt von Alexandra. Das freute mich besonders, da ich ohne ihre Idee zum Landkreislauf und der perfekten Organisation, u.a. durch Sandra, nie ein Ultraläufer geworden wäre. Danach wurden die weiteren Einzelläufer auf die Bühne geholt. Zum Applaus standen alle im Zelt und tobten um die Wette. Für diesen Herzblut-Wettbewerb und diesen Gänsehautmoment stehe ich in 52 Wochen wieder am Start. Somit dürfte aus dem Projekt 10/10 das Projekt Schnapszahl werden!

Strecke
Hier war alles noch locker …
Simon Gehr Fotografie
Noch frisch und munter …
Simon Gehr Fotografie
Abkühlung
Simon Gehr Fotografie
Ca. 60 km hinter mir, noch ca. 13 km vor mir …
Simon Gehr Fotografie
Zieleinlauf
Geschafft!
Simon Gehr Fotografie
5:08 Min/km auf 73,5 km
Gesamtplatz 3
Urkunde
Extra Ehrung für Tom und mich
Anerkennungsgeschenk von der MZ
Alle 10 Ultraläufe
Alexandra und Sandra sei Dank!

Ein Kommentar auch kommentieren

  1. Julius sagt:

    Einfach Wahnsinn der Mane..
    Habe ihn letzten Herbst im Rahmen eines Street-Fit-Kurses kennengelernt und wusste am Anfang gar nicht wer er ist bzw. was er so macht.
    Als dann vor einigen Wochen der Artikel in der MZ war hat mich dann gar nix mehr gewundert 🙂
    Meinen höchsten Respekt vor solch einer Leistung!
    Selten so einen netten und offenen Menschen erlebt der dich mit seiner Motivation und seinem Enthusiasmus sofort mitreißt.
    Bis demnächst mal wieder!

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