Jetzt schlägt es 13 – Transalpine Run

10 Jahre lang wollte ich mich schon an den Transalpine Run wagen. Allerdings endet dieses 8tägige Laufevent immer eine Woche vor dem Regensburger Landkreislauf. Da so die Regeneration für den Ultralauf 7 Tage später dermaßen viel zu kurz kommt, blieb diese spezielle Alpenüberquerung immer nur ein Traum.

Vor rund einem Jahr sprach mich der Besenläufer Tom bei der Vorbereitung zum 12ten Landkreislauf an, ob ich mit ihm 2022 den Transalpine Run rocken will. Da ich mittlerweile akzeptiert hatte, dass sich die Termine nicht ändern werden und dadurch die Regeneration nie länger als diese eine Woche werden wird und ich mir keinen idealeren Teampartner als meinen Ultralauffreund Tom dafür vorstellen kann, sagte ich sofort zu.

Zusätzlich profitierte ich von der ungemeinen Erfahrung, die Tom bei über 100 Marathons und Ultras sammeln konnte. Dank seiner Excelliste bzgl. der Ausrüstung für dieses mehrtägige Abenteuer und seinem Trailstock-Workshop war ich diesbezüglich perfekt gerüstet.

Am Samstag vor einer Woche war es dann so weit. Tom und ich starteten für unseren Unterstützer Ralf von Lauf und Berg König.

Transalpine Run
Svenja

Das ich an der Startlinie des Abenteuers mit geplanten 286 km und 17070 Höhenmeter stehen konnte, glich einem Wunder. Die Vorbereitung war aufgrund diverser Probleme unter keinem guten Stern und Tom hatte für mich einen Notfallteampartner organisiert, falls ich ausfalle. U.a. Corona, Fasziendistorsion und ein Oberschenkelknochen, der auf dem Hüftknochen rieb, vermasselten mir eine ordentliche Vorbereitung. Dank Dehn- und Kräftigungsübungen von Ralf (tri.P.coaching) konnte ich schmerzfrei in Garmisch-Patenkirchen an den Start gehen, wo wir auch auf unsere Trailfreunde Melanie und Andreas trafen.

Der Veranstalter Plan B schickte die 268 2er Teams aus 27 Nationen (u.a. Kanada, Mexiko, Costa Rica) zu den Klängen von Hells Bells (AC/DC) auf die 43 km lange Strecke mit 2200 HM, bei der unter der Zugspitze auf schönen Trails die Landesgrenze überwunden wurde, bevor wir den Knappensteig und die Skipiste Marienbergjoch meisterten. Nachdem es viele Kilometer lang sehr steil und teils sehr technisch bergab zum Etappenziel Nassereith ging, lernte ich, dass runter schlimmer als hoch sein konnte. Leider holte ich mir hier bereits am 1ten Tag einen ordentlichen Muskelkater. Toms Erfahrung half ihm, solche „Freefall“-Passagen schnell und unbeschadet zu meistern.

Transalpine Run
Transalpine Run

Am Tag 2 waren bloß 31 km und 1800 HM zu absolvieren, allerdings ging es über Hochleiten und der Simmeringer Alm stetig und steil zum Ostgipfel des Tschirgant rauf, bevor es durch steile Latschensteige und lichte Lärchenwälder talwärts ging. Hierbei hatte Tom Magenprobleme, kämpfte sich aber sehr tapfer bis zum Ziel in Imst, wo er und ich gemeinsam mit Melanie und Andreas mit der Bayernfahne einliefen.

Transalpine Run
Transalpine Run
mit Melanie, Andi und Tom

Die Königsetappe war am 3ten Tag angesagt. Leider nicht für Melanie, da ihr der Magen einen Streich spielte und sie keine Energie zuführen konnte. Die 54 km und 2800 HM forderten die meisten Teilnehmer:innen ins Ziel nach Mandarfen am Ende des Pitztals sehr. Hier half es, positiv zu bleiben. So freute sich ein spanischer Teilnehmer über die größte Anzahl an Verpflegungsstationen (4 Stück). Leider übermannten Tom seine erneuten Magenprobleme so sehr, dass ein Finish der längsten Tagesstrecke nicht möglich war. Nach seinem Ausstieg 200 km vor dem Gesamtziel in Vals bei Sterzing konnten wir nicht mehr als Team weitermachen. Allerdings war es sein ausdrücklicher Wunsch, dass ich als Individual-Teilnehmer die Alpenüberquerung unbedingt weiter in Angriff nehmen soll. Tom hat so viele Extremläufe gefinisht, so dass ich mir 100% sicher bin, dass er nicht ausgestiegen ist, weil die Strecke sehr hart war, sondern weil es gesundheitlich überhaupt nicht mehr ging. Es tat mir ungeheuer leid, weil dieses Event für ihn ebenfalls ein langjähriger Traum war.

Transalpine Run

Ab diesen Zeitpunkt supportete er mich, wo er nur konnte. Ein großartiger Sportsmann und ein toller Freund.

Beim Bergsprint am Tag nach der Königsetappe ging es auf großen Steilstufen und über Baumwurzeln zum Rifflsee. Ein Großteil der 670 Höhenmeter auf der kürzesten Strecke mit 7,3 km erfolgte zwischen km 1,5 und km 4,5. D.h., auf diesen 3 km dazwischen ging es sehr direkt und steil hoch.

Meinen mentalen Tiefpunkt hatte ich am Tag 5 nach einem Rettungshubschraubereinsatz. Kurz bevor ich den hochalpinen Rettenbachjoch (2960 m ü. M.) überquerte, erlitt eine junge US-Amerikanerin auf dem höchsten Punkt des Tages einen Kreislaufkollaps. Nach einem weiteren Anstieg hoch zum Nedersee, ging es mehrere Kilometer so steil bergab, dass mir meine GPX-Uhr keine Pace mehr anzeigte. Hier verlor ich wertvolle Plätze, die ich mir zuvor bergauf schwer erkämpft hatte. Der Rettungshubschraubereinsatz beschäftigte mich auch nach Stunden so sehr, dass ich im Ziel Obergurgl zusätzlich zu meiner Erschöpfung noch lange sprachlos war. Hier glänzte Tom, der mich wieder aufbaute. Hier konnte er seine langjährige Erfahrung als Besenläufer ausspielen. Gefreut hätte ich mich auch über den Support von Harald und Alexander, die im Ziel nach 37 km und 2450 HM auf mich warteten. Leider haben wir uns verpasst, aber zumindest begeisterten mich noch die Bilder von Harald, die er auf der Wanderung zum Gaisbergferner geschossen hat.

Transalpine Run
Urgestein Hermann

Aufgrund von Dauerregen wurde die 6te Etappe verändert. Statt mit Grödel (Spikes) über einen Gletscher zu laufen, gab es durch den Streckenchef Martin eine Alternativstrecke im Stubaital. Nach dem Motto „steil hoch, steil runter“ ging es zu einem rasanten Up & Downhill auf der Originalstrecke der Berglauf- und Trailrunning Weltmeisterschaft 2023.

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Bergsprint

Beim Briefing zur vorletzten Etappe wurde erneut der Dauerregen angesprochen und der Start um 1,5 Stunden vorverlegt. Dies sollte der Sicherheit dienen, damit wir vor dem Regen die gefährlichen Passagen hinter uns haben. Leider musste zur Sicherheit der Teilnehmer:innen die Etappe nach dem höchsten Punkt Simmerljöchl an der Bremer Hütte abgebrochen werden. Nachdem ich zuerst enttäuscht über die Streckenkürzung war, merkte ich beim Abstieg (außerhalb der Wertung) sehr deutlich, wie rutschig die Strecke bergab war und diese Entscheidung absolut richtig war.

Transalpine Run
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Transalpine Run

Am 8ten und letzten Tag machte ich mir selbst den Druck, unbedingt die Ziellinie zu erreichen. Nachdem auch Andi nach der 6ten Etappe mit Oberschenkelproblemen aussteigen musste, war ich von uns 4 Freunden der Einzige, der noch im Rennen war. Noch vorsichtiger als sonst lief ich über Baumwurzeln, verblockten Steinen und Geröll hoch zum Sandjoch. Ab hier hatte ich die 2700 HM des Tages absolviert und nahm mir vor, dass der letzte km der Schnellste der ganzen Woche werden sollte. Mit einer 4:46er Pace lief ich in Vals (Südtirol) ins Gesamtziel ein, wo Tom mir aus vollem Herzen gratulierte.

Neben Tom, Ralf von tri.P.coaching und Ralf von Lauf und Berg König darf ich mich auch noch bei Caro von NFT bedanken, die mir mit angepassten Kohlenhydraten (weniger Fruktose), Regenerationsgetränken, etc. dabei hilft, beschwerdefrei und mit viel Energie meine Wettkämpfe zu rocken.

Ebenfalls machten die vielen Extremsportler:innen dieses Rennen aus, die ich in den 8 Tagen kennenlernen durfte. Besonders gerne lief ich immer wieder Streckenabschnitte mit Birgit und Flo vom Hartfüssler Trail e.V. und hoffe darauf, die Beiden bei weiteren Wettkämpfen zu treffen.

Transalpine Run
Birgit und Flo

Der Transalpine Run (TAR) 2022 war zu einem großen Teil neu und galt mit den geplanten 286 Kilometern und 17.070 Höhenmetern als eine der anspruchsvollsten in der 17-jährigen Geschichte der legendären Alpenüberquerung. Durch die beiden Änderungen bzgl. des Dauerregens war die Strecke etwas kürzer, blieb aber das, was der TAR schon immer war: Einer der härtesten Bergläufe der Welt vor grandioser Kulisse! Mit meinem Finish wurde ich dem Blognamen Bergsport360 definitiv gerecht.

Transalpine Run

Nach diesem Event in der Ferne freue ich mich auf den Landkreislauf Regensburg am kommenden Samstag. Neben weiteren Freunden nehmen auch Tom und ich die 78 km in Angriff. Da ich bisher jedes Mal und als einziger Ultraläufer die komplette Strecke der bisherigen 12 Austragungen absolviert hatte, schlägt es nun 13!  

 

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