Die Herausforderung der Großen Schleife

on

Bei meinen regelmäßigen Radrunden kommt immer wieder eine Frage auf, die mich einfach nicht kalt lässt. Wie groß ist die Herausforderung, die bei der Tour de France Jahr für Jahr auf die Profis zurollt? Und kann nur die reale Tour diese große Aufgabe korrekt abbilden? Eine kleine Spurensuche.

106. Tour de France im Sommer

Der Ort, an dem die Tour de France traditionell endet: der Champs-Elysées in Paris. – Quelle: Pexels

In diesem Sommer steht zum 106. Mal die Tour de France an. Am 6. Juli können wir im belgischen Brüssel die erste Etappe über 192 Kilometer beobachten. Es ist die abermalige Neuauflage der härtesten Radsportprüfung der Welt, die am 28. Juli auf dem Pariser Champs-Elysées endet. Schon lange vor dem tatsächlichen Start schaue ich gespannt auf das neue Streckenprofil, um die diesjährigen Höhepunkte auszumachen. Zudem handelt es sich um eine ganz besondere Frankreich-Rundfahrt, da zum 100. Mal das Gelbe Trikot an den Sieger vergeben wird. 3.460 Kilometer ist die Tour diesmal lang und hat die üblichen Favoriten aufzuweisen. Mit Quoten von 3,0 respektive 3,5 stehen Chris Froome und Vorjahressieger Geraint Thomas vor der Konkurrenz (Stand: 4. April). Tom Dumoulin wird lediglich eine Außenseiterchance unter den 3 eingeräumt.

Zu dominant zeigte sich das Sky-Team in den letzten Jahren schließlich vor allem auf den entscheidenden Bergetappen, die wir damals gespannt vor dem Fernseher verfolgten. Traditionell gehört die erste Woche größtenteils den Sprintern, die sich auf Flachetappen um das Grüne Trikot duellieren. Etwas anders ist diesmal der Streckenverlauf durch Zentralfrankreich, der die Athleten nicht erst in die Alpen, sondern Richtung Pyrenäen führt. Nach dem Einzelzeitfahren in Pau geht es in sieben Tagen auf fünf harte Bergetappen, von denen eine bei 2.115 Metern auf dem Col du Tourmalet endet. Nach der zweiten Woche geht es schließlich gegen den Uhrzeigersinn in die Alpen, wo zwei weitere Ankünfte über 2.000 Meter den neuen Tour-König hervorbringen sollten, wenn er nach den Pyrenäen nicht ohnehin schon feststeht.

 

Was sagen die Profis?

Vor allem die Sprinter haben es nach der ersten Woche schwierig. – Quelle: Pexels

Wer sich die Flachetappen bei der Tour anschaut, könnte bei regelmäßigen Training schnell auf den Gedanken kommen, dass es ja gar nicht so schwer aussieht, wie man denkt. Doch es sind vor allem die Bergetappen, die den Profis zu schaffen machen. Das gilt insbesondere für die Sprinter, die sich nie mit den Alpen oder Pyrenäen anfreunden konnten. So gab der mehrfache Sprint-Weltmeister Peter Sagan einst an, er sei „froh, wenn eine Bergetappe vorbei ist“ und es flach weitergehe.

Schon die Dokumentation Höllentour gab vor Jahren einen starken Einblick in die täglichen Schwierigkeiten, die mit einer Tour-Etappe einhergehen. Auch wenn die Namen Armstrong, Ullrich oder Winokurow angesichts der bekannten Dopingproblematiken austauschbar sind, bleiben die Qualen die gleichen. Zusammenfassend sagte bereits der ehemalige Masseur des Teams Telekom, Dieter Ruthenberg: „Nur die besten kommen durch, das kann man ganz klar sagen.“ Dieses Statement galt nicht nur vor einigen Jahren, sondern heute umso mehr. Dieser Tage versuchen die Veranstalter schließlich Jahr für Jahr, eine besonders aufregende Streckenführung anzubieten, um neues Interesse an der Großen Schleife anzulocken. Es scheint, als könne tatsächlich nur die Tour de France diese große Aufgabe abbilden. Die 106-jährige Tradition hilft dabei enorm.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.