Reise nach Finnland: Levi

Bilder und Text: Alexej Fedorov / Redaktion: Christian Riedel 

Heißes Finnland

Finnland ist ein Traum für Skifahrer. Davon durfte ich mich live und direkt in Levi, im größten Skigebiet Finnlands, überzeugen. Aber bevor ich mich in die Schneemassen stürzen durfte, musste ich mich mit vergessenem Gepäck, Flugzeugbussen und der finnischen Kälte beschäftigen.

Manchmal werden Träume wahr. Meistens passiert es plötzlich und unerwartet. So wurde es mit meiner Reise nach Finnland in das Land der Rentiere, Blaubeeren, tausende Seen, Nordlichter und natürlich dem Weihnachtsmann.

Eines der nordischen Länder zu besuchen, war schon immer ein Traum von mir. Das gilt auch für viele anderen Länder, nur in dem Fall ist es ein komisches Gefühl, plötzlich dort zu sein. Vielleicht war ich in meinem früheren Leben ein Finne.

Ich musste nicht lange überlegen, ob ich die Einladung auf Finnland annehmen möchte. Die Antwort war natürlich Ja. Viel zu spät wurde es Zeit, meinen Kram für die Reise einzupacken. Leider musste ich feststellen, dass ich doch nicht so viel Klamotten bzw. kaum passende Teile für die anstehenden Wintersportaktivitäten habe. Zum einen war ich lange nicht mehr Skifahren, zum anderen gilt Finnland als eines der kältesten Länder Europas. Nach dem Wettercheck stellte ich fest, dass es zum Glück doch nicht so kalt werden und die Temperaturen höchstens bis minus acht Grad fallen sollen. Insofern verzichtete ich auf arktische Ausrüstung. Mit einem doch recht kleinen Trolley und einen Fotorucksack ging es dann ab nach München zum Flughafen!

Busfliegen in Finnland

Hier traf ich Franzi von Coconut-Sports und kurze Zeit später saßen wir zusammen im Flugzeug nach Helsinki. Von der Stadt sahen wir leider nichts, weil der Flughafen ziemlich abgelegen liegt. Am größten Flughafen Finnlands stiegen wir nach Kitillä um – unser eigentliches Ziel im Norden des Landes. Hier erwartete mich auch die erste Überraschung, als wir feststellten, dass wir erst noch nördlicher landen sollen und zwar in Ivolo. Wie in einem Bus stiegen einige Passagiere aus, andere kamen an Board. Nach etwa 40 Minuten ging es weiter.

Aber irgendwann waren wir dann doch am Ziel. Im kleinen Flughafen von Kittilä trafen wir andere Journalisten aus Deutschland: Anne, Simone und Mario. Mit uns kam eine zweite Überraschung an: das Gepäck von Franzi und mir war in Helsinki geblieben. Mit der Hilfe unserer lokalen Guides, Riikka und Harri, konnten wir alle nötigen Formalitäten erledigen, um unsere Koffer am nächsten Tag wieder zu bekommen. Glücklicherweise kannte sich Franzi als Flugbegleiterin mit solchen Problemen gut aus und wir bekamen von Finair je ein Amenity Kit für Notfälle mit Zahnbürste, Rasierer, Deo, usw., um die Nacht ohne unseren eigenen Kram zu überstehen.

Erster Tag – Schnee

Irgendwann waren wir doch endlich draußen und atmeten finnische Luft. Mittlerweile war es spät abends und wir fuhren nach Levi – einem Ski Ressort knapp 15 Km nördlich von Kittilä. Der Weg zum Hotel führte durch eine Waldlandschaft und überall lag Schnee. Richtiger Schnee – weiß und unberührt. Und als wir in Levi ankamen war es plötzlich Weihnachten für mich – das ganze Ort lag im tiefen Schnee und überall waren Girlanden und Schilder aufgehängt und bunte Lichter leuchteten in den Schaufenstern. Ein sehr schönes Gefühl, das mich die ganze Zeit nicht los lassen wollte.

Schnell checkten wir im „Hullu Poro“ Hotel ein. Auf mich wartete ein gemütliches Doppelbettzimmer mit großzügigem Bad. Schnell zogen wir uns um, weil es in Levi doch deutlich frischer war als zu Hause in Karlsruhe, und trafen uns in der Lobby, wo man mit einem warmen und leckeren Kebab-Sandwich, sowie einem Cappuccino begrüßt wurde. Nach einem langen Tag im Flugzeug, ohne warmes Essen übrigens, war das genau Richtige.

Nun sollte es weiter gehen mit einer Snow Cat namens „Lapland Express“ zu der Spitze des Levitunturi mit einem 360° Ausblick auf die Gegend. Ich hoffte darauf, die Nordlichter zu sehen. Leider war der Himmel zugedeckt und so war es nur halb so schlimm, dass mein Fotostativ noch irgendwo im Koffer unterwegs war. Im Snow Cat wurde zum aufwärmen noch heißer Blaubeersaft und kleine Snacks mit Fisch und Fleisch angeboten. Außerdem überraschte uns ein Zauberkünstler, der einfach unauffällig mitfuhr und uns mit lokalen Geschichten sowie Kartentricks amüsierte. So vergingen zwei Stunden und wir waren wieder im Hotel. Es war dann doch ungewöhnlich kalt draußen, ich kopierte noch die ersten Bilder auf die Festplatte und ging ins Bett. Das Gepäck war noch nicht da.

Zweiter Tag – noch mehr Schnee

Unser Trip durch Finnland führte heute mit Schneeschuhen durch hüfthohen Powder, an weißen Rentieren vorbei bis in ein Loch im Eis auf einem finnischen Fluss. Wer das übersteht, ist ein wahrer Held.

Ausgeschlafen und mit einem gutem Frühstück im Bauch trafen wir Horatio und Marco, die uns zeigten, wie man mit Schneeschuhen läuft. Alle waren sehr gespannt darauf. So kurze und breite Wintersportgeräte habe ich bisher nur auf Bildern gesehen und ich war am Anfang ziemlich misstrauisch, ob es Spaß machen wird. Sogar nach einem kurzen Spaziergang durch den Wald und danach auf dem See war mir immer noch nicht klar, wo der Sinn von Schneeschuhen liegt. Erst als der Schnee tiefer wurde und wir Hügel hinauf liefen, fing ich an, die Wanderung zu genießen. Unterwegs erzählten uns Horatio und Marco Geschichten über die Gegend und deren Natur, zeigten uns den älteste Baum und dass man hier auch Bären und andre Tiere treffen kann. Weil die Bären im März noch ihren Winterschlaf genießen, mussten wir uns aber keine Sorge machen, außer man fällt direkt in eine Bärenhöhle hinein.

Der Anstieg zum Gipfel, den unsere Guides für uns ausgesucht haben, war nicht lang aber teilweise ziemlich steil und ich begann bald zu schwitzen. Als wir ganz oben waren, hieß es Freeschneelauf – was man sich wie Freeriden vorstellen kann, nur eben mit Schneeschuhen. Durch den tiefen Schnee, der teilweise locker bis zur Hüfte ging, machte das richtig Laune und war auf jeden Fall eine Erfahrung wert! Natürlich konnte man kleine Stürze im Schnee nicht ausschließen, aber die Unfallgefahr in einem Meter Pulverschnee ist dann doch sehr gering. Ich würde es jederzeit wieder machen und werde es bei uns im Schwarzwald im nächsten Winter ausprobieren.

Keine Schlittenfahrt

Danach fuhren wir zu Levihuskypark, wo man, wie der Name schon sagt, Schlittenhunde züchtet. Außer den wundervollen Hunden gibt es hier Wölfe, einen Fuchs, einen Polarfuchs und ein schneeweißes Rentier. Bei der Gelegenheit kann man hier auch im Schlitten mit Huskys durch die Gegend fahren. Wir schafften es leider diesmal nicht, weil das Mittagessen rief.

Langsam wurde es aber Zeit zurückzukehren da alle wurden hungrig wurden. In „Ämmilä“ wartete ein leckeres Buffet mit allen möglichen Kostbarkeiten auf uns. Nach dem Essen wollte ich etwas durch die Gegend spazieren gehen und unbedingt zur Post um die Postkarten nach Hause zu verschicken.

Nach dem Essen gingen wir zum Hotel, um gemeinsam in die „Sammun-Tupa“, eine echte finnische Sauna, zu gehen. Wir kamen in eine kleine Siedlung mit überwiegend alten Holzhütten, außer ein paar Häusern, in denen die Betreiber wohnen. Dort begrüßte uns ein nettes Paar, die uns zuerst eine Werkstatt zeigte, in der einige typisch finnische Utensil herstellt werden und in der Geweihe sowie Rentierfell verarbeitet wird. Danach erfuhren wir, was uns an dem Abend erwartet – eine heiße Sauna und einen Eisloch im Fluss. Wir sollten nach der Sauna in das eiskalte Wasser hineingehen und wir tun das! Wir sind Helden!

In einer alten Hütte gab es einen Vorderraum, um sich umzukleiden oder einfach zu entspannen und einen Hauptraum mit riesigem Kessel, der schon fast glühend heiß war. Wir setzten uns auf die Stufen, welche wie in einem alten Theater aufgebaut waren. Jetzt musste man nur entspannt bleiben und schwitzen. Oh ja, das tut gut. Als Harri entschied, dass wir schon heiß genug wurden, holte er uns aus der Sauna. Wir liefen halb nackt runter zum Fluss. Nach einer kurzen Überwindung stieg ich in das eiskalte Wasser – ich kann nicht beschreiben, wie es war. Man sollte es lieber selbst ausprobieren. Es ist komplett anders, als zuhause unter kalte Dusche zu stehen. Als ich wieder auf dem Eisloch ausstieg wurde mir wieder warm um ich fühlte mich wie neu geboren. Das ist die richtige Sauna und das ist heißes Finnland! Danach wärmten wir uns wieder auf und wiederholten das Ganze. Zum Schluss wollte ich es mit Schnee ausprobieren und sprang einfach rein. Das tat etwas weh, weil der Schnee meine Haut sticht wie tausende kleine Nadeln – das war sehr ungewöhnlich.

Später gab es ein leckeres Abendessen im „Pihvipirtti“ Steakhouse. Hier konnte man einen Rentier-Steak sowie andere, unter anderem vegetarische Gerichte, kosten, aber das Steak war das Highlight. Als Vorspeise gab es ein Buffet mit Salat und jede Menge Fisch, ich glaube um die zehn Sorten. Dazu verschiedene Soßen, die sehr gut mit finnischen Bratkartoffeln schmeckten.

Dritter Tag – Skifahren muss sein

Unser Finnland-Trip war schon zur Hälfte vorbei und ich hatte immer noch keinen Schnee unter den Brettern, obwohl wir im größten Skigebiet Finnlands waren. Das sollte sich am dritten Tag zum Glück ändern.

Auf dem Tagesplan stand Ski fahren, Mittagessen, Spaziergang durch die Gegend, Abendessen und Laser World (was es auch immer heißen mag, ich ließ mich überraschen). Es sollte wieder ein spannender Tag werden und das war gut so!

Endlich ging es zum Levi Ski Ressort, um dort Ski und die weitere Ausrüstung auszuleihen. Hier findet man alles, was man sich wünschen kann. Nach kurzer Zeit waren alle so weit. Anne von Goingagabong und ich bekamen einen netten Ski-Instruktor, Oskari, weil unser Fahrkönnen nicht so hoch wie bei den anderen war. Innerhalb von paar Stunden machte Oskari aus uns Ski-Profis… oder zumindest fast. Auf jeden Fall konnten wir jetzt relativ steile (für unsere Verhältnisse) Hänge runterkommen. Nun wurde es spannend, weil wir zum Mittagessen durch den Wald auf andere Seite der Hügel mussten. Einige Abfahrten hätte ich mir als Anfänger sparen können, war aber eine Erfahrung wert. Ich muss halt mehr Ski fahren im Winter und nicht nur Biken gehen.

Nach dem Essen war ich etwas müde und mein Knie wollte auch nicht mehr mitmachen (alte Bike Verletzung). Ich entschloss mich, die Truppe zu verlassen und ohne Ski einfach spazieren zu gehen, die Natur zu genießen und Fotos zu machen. So war ich wieder ganz oben, ganz allein im Wald in weißer Stille mit einem fast unendlichem Ausblick. Ich stieß auf eine kleine Hütte, das „Panorama“ Café. In der Mitte brannte Kaminfeuer und nebendran standen alten Kannen mit heißen Getränken. Ich wurde auf einen heißen Beerensaft eingeladen, entspannte mich und genoss die Zeit hier. Das Holz knisterte im Feuer, es roch so angenehm, dass man sofort einschlafen konnte.

Pizza a la Rentier

Zum Abendessen gab es Pizza – einfach und gut, abgesehen davon dass man eine mit Rentier Fleisch bekommen konnte. Wir standen kurz draußen und Harri erzählte uns, dass in Finnland sehr wenig geraucht wird. Das konnten wir bereit auch feststellen, da wir kaum eine Zigarette gesehen haben. In Finnland spricht man sogar über ein totales Rauchverbot. „Wie sieht es denn mit trinken aus?“ – war unsere nächste Frage. Ich drehe mich um, weil mich jemand ansprach. Vor mir standen zwei Mädels mit Snowboards und sagten mir etwas auf finnisch. Harri lachte: „Sie fragten ob du ihre Snowboards für 20 Euro um die Ecke trägst. Sie sind leicht angetrunken.“ Das beantwortete unsere Frage…

Danach waren wir im „Winter Laser World“. Es ist wie Paintball nur mit Laser Waffen. Wir teilten uns in zwei Teams auf und spielten knapp zwei Stunden in einem speziellen Gelände. Das war ungewöhnlich und etwas anstrengend, weil wir nach einem langen Tag im Schnee schon ziemlich müde waren. Außerdem muss man solche Aktivitäten mögen. Ich wollte nur ins Bett.

Vierter Tag –  ein neuer Ort

Der vorletzte Tag in Finnland begann mit einer kurzen Nacht und führte mich direkt in den Streichelzoo vom Weihnachtsmann. Übernachtet habe ich dann im ewigen Eis.

Heute mussten wir recht früh aufstehen, Koffer packen, Frühstücken und auschecken, weil wir um halb neuen bereits weg sein mussten. Es ging los nach Köngas zur „Ounaskievari“ Rentierfarm.

Die Farm kann man sich wie einen mittelgroßen Bauernhof vorstellen mit Gehege und ein paar Nutzgebäuden. Dort angekommen erzählte uns Farmbesitzerin Johanna, wie die Tiere hier so leben und wie man sie steuert, wenn sie vor einen Schlitten gespannt sind. Schließlich sollte es direkt losgehen mit einer echten Rentier Schlittenfahrt. Fast wie der Weihnachtsmann. Es ging leider nur eine kurze Strecke durch den Wald. Aber dafür durften wir den Schlitten selbst steuern. Je nach Bedarf könnte man auch länger unterwegs sein oder so eine Droschke für die Hochzeit buchen. Das hatten wir aber nicht vor.

Danach durften wir in die Gehege rein, um die Tiere zu futtern und streicheln – zurück in die Kindheit. Nun gab es auch für uns Kleinigkeiten zum naschen – selbstgemachter Zuckerbrot und warme Getränke im Haus der Farmbesitzer. Wir hörten weitere Geschichten über ihren Leben, die Tiere und zum Schluss bekamen wir jeder einen Rentierführerschein.

Finnland

Die Fläche des Landes beträgt 390 905 m2 (etwas größer als Deutschland) große und hat 5,5 Mio Einwohner (fast 15 Mal weniger als in DE). Nur 6% der Fläche ist bewirtschaftet und 76% ist durch den Wald bedeckt. In Finnland befinden sich 188 000 Seen. An Urlaubsorten sprechen viele englisch.

Lappland

Fläche: 100 000 m2
Davon unter dem Wasser: 7 700 m2
Einwohner: 180 000

Über Levi

http://www.levi.fi/de/

 

 

 

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