Lechweg: Vom Fall zur Quelle

Den Alltag einfach hinter sich lassen und sich zurück in die Natur begeben – das können Wanderer, wenn sie den Lechweg entgegen der klassischen Variante wandern.

Hochgebirge üben eine besondere Anziehungskraft auf Menschen aus. Sie strahlen Ruhe und Gelassenheit aus. Auch etwas Erhabenes. Genau dieser Kraft können sich Wanderer hingeben, wenn sie dem Lechweg vom Fall des Lechs in Füssen bis zu seiner Quelle am Formarinsee am Arlberg folgen. Entgegen dem Strom entfernen sie sich mit jedem Schritt immer mehr von ihrer gewohnten Umgebung und begeben sich an sieben Tagen und auf 125 Kilometern zum Geburtsort einer der letzten Wildflüsse Europas. Dabei tauchen sie nicht nur mit jeder Etappe weiter in die alpine Natur ein, sondern lassen mit jedem Schritt auch den Alltagsstress ein Stück hinter sich.

Heutzutage geht es immer mehr darum einen Gang runter zu schalten. Den Alltag, Alltag sein zu lassen. Sich auf die Dinge zu besinnen, die einem wichtig sind. Achtsamkeit ist Trend. Nicht nur in der Großstadt. Aber kostspielige Wellness-Treatments und -Kurse braucht es dafür meistens nicht. Ein bisschen Zeit reicht. Im Idealfall sieben Tage. Genügend Zeit um raus zu gehen, an sich selbst zu wachsen und sich jeden Tag einer neuen Herausforderung zu stellen. Inmitten der Natur, ganz ohne Schnickschnack. Das erleben auch Wanderer, die den Lechweg entgegen der klassischen Varianten laufen. Die ausgetretenen Pfade verlassen und den Großstadt-Alltag hinter sich lassen. Aus der gewohnten Welt ausbrechen und sich mit jedem gewanderten Kilometer immer weiter von ihr entfernen. Mit jeder Etappe mehr eintauchen in die alpinen Landschaften und der türkisblauen Ader Lech bis zu ihrem Ursprung folgen. Mitten im Hochgebirge. Tief im Arlberg. Am Formarinsee.

Gegen den Strom
Entgegen der ursprünglichen Richtung startet der Lechweg in Füssen auf 800 Meter und führt über durchschnittlich sieben Tagesetappen bis zum Formarinsee oberhalb von Lech am Arlberg auf 1.793 Meter. Mit knapp 1.000 positiven Höhenmetern wird der Weitwanderweg deutlich anspruchsvoller, doch viel bedeutender ist der Eindruck der bei den Wandernden entsteht. Statt vom Hochgebirge ins Alpenvorland, wandern sie stetig bergauf von Füssen im südlichen Allgäu über die Naturparkregionen Lechtal und Reutte mitten hinein in den Arlberg. Durch zwei Länder und fünf Regionen. Immer entlang des Wildflusses. Mit jeder Etappe lässt der Wanderer ein Stück Zivilisation hinter sich. Die Landschaft wird immer alpiner, die Berge immer höher. Wandeln sich von gras- und waldbedeckten Hügeln zu schroffen Majestäten, die seit Jahrtausenden die stillen Herrscher der umliegenden Landschaft sind und die Wanderer demütig durch ihre Umgebung ziehen lassen. Kommen die Wanderer in Lech am Arlberg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem eigenen Auto an, um auf der klassischen Variante zu starten, ist für sie das Hochgebirge nicht das Ziel, sondern ihr Zuhause. Hier ist der Blick immer auf das Gewohnte und nicht auf das große Unbekannte gerichtet. Vom Fall zur Quelle dagegen entfernt man sich immer mehr vom Alltag, entschleunigt mit jedem Schritt und findet an der Quelle des Lechs, dem Formarinsee, den größtmöglichen Abstand zum alltäglichen Leben. Hier neigt man dazu verlängern zu wollen. Die innere Ruhe am Formarinsee, mitten im Gebirge auskosten zu wollen.

Wanderqualität mit Tradition
Der Lechweg gehört zu den besten und komfortabelsten Weitwanderwegen Europas. Das ändert sich auch nicht, wenn man ihn in die andere Richtung wandert. Auf dem moderaten und als „Leading Quality Trail – Best of Europe“ zertifizierten Weitwanderweg erleben Wanderer an sechs bis acht Tagen ein einzigartiges Natur- und Kulturerlebnis. Seit Jahrhunderten prägt und verbindet der Lech als einer der letzten Wildflüsse Europas die Traditionen und Geschichten vom Arlberggebiet über die Naturparkregionen Lechtal und Reutte bis Füssen im Allgäu. Auf jedem, der gut ausgeschilderten Abschnitte entdeckt der Wanderer Sehenswürdigkeiten, besondere Tier- und Pflanzenarten, kulturelle Schätze oder traditionelle Lechweg-Produkte. Bei zertifizierten Lechweg-Gastgebern können sich Wanderer wohlfühlen und entlang des Wegs stärken.

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