ITB – Syndrom: Was gibt´s noch ausser Dehnen?

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Dieser Artikel ist der erste unseres neuen Partners „OTC Regensburg“. Hier findet ihr interessante Themen aus der Sicht eines Orthopäden. Fachwissen, Praxistipps und vieles mehr! Schickt uns eure Fragen und wir versuchen es in den nächsten Artikeln zu beantworten.

 

Kommt ein Läufer in die Sportsprechstunde mit „Knieschmerzen“ ist eine der häufigsten Ursachen gar nicht im Gelenk selbst zu finden, auch wenn der Begriff des Runner´s Knee dies vermuten lässt.

Foto Bild Fuß Kniegelenk ( (c) Marco Hartl OTC | REGENSBURG)
(c) Marco Hartl OTC | REGENSBURG

Die Ursache hierfür liegt in einem kräftigen Muskel-Faszienstrang (dem sog. Tractus iliotibialis oder IT-Band) welcher vom Becken bis zum äusseren Schienbein unsere gesamte Beinachse auf der Aussenseite quasi „aufspannt“. Dieser Faserzug kann v.a. bei häufig wiederkehrenden Beugebelastungen wie beim Laufen am äusseren Oberschenkelknochen und den umgebenden Gewebsschichten einen schmerzhaften Reizzustand verursachen.  Typischerweise berichten die Betroffenen von einem gut lokalisierbaren Schmerz an der Aussenseite des Oberschenkels, welcher bei längerer Belastung auftritt und sofort bei Abbruch des Laufens verschwindet. Hakt man etwas genauer nach, erfährt man oft von Veränderungen der Trainingsintensitäten im Vorfeld der Beschwerden. Auch Änderungen in der Ausrüstung wie ein neuer Laufschuh oder eine andere Position der Cleats kommen als Auslöser in Frage. Kommt dann noch die Ermüdung der Beinmuskulatur bei einer langen Einheit hinzu, am besten noch mit einigen Höhenmetern und Bergsprints kombiniert, dekompensiert das System und die Schmerzen beginnen.

Die Diagnose lässt sich vom Sportmediziner daher meist oft schon aus den geschilderten Symptomen und einer klinischen Untersuchung einschließlich Ultraschall stellen.

 

In der Akutphase steht dann meistens die lokale Entzündungsantwort des Körpers und für den Sportler die Schmerzfreiheit im Vordergrund.

Die Palette einer modernen sportmedizinischen Behandlung umfasst hierbei mittlerweile wesentlich mehr als den klassischen Entzündungshemmer Cortison oder Schmerztabletten. Insbesondere in der Entzündungsphase hat unser Körper ein kompliziertes und hocheffektives System am Laufen, was man mit verschiedenen Verfahren nochmals günstig unterstützen und beschleunigen kann.  Vor allem dem sog. plättchenreichen Plasma aus dem Blut des Patienten, welches direkt an den Entzündungsort gespritzt wird, kam in den letzten Jahren vermehrt Aufmerksamkeit zu. Tatsächlich können hiermit aus meiner Erfahrung hervorragende Ergebnisse völlig ohne synthetische Stoffe erzielt werden. Auch Akupunkturserien sowie die lokale Anwendung von hochenergetischen Laserstrahlen und Stoßwellen können die körpereigenen Gewebsreaktionen am Ort des Geschehens schnell und effektiv beeinflussen.

 

Um sinnvoll langfristig zu behandeln und eine Rückkehr der Symptome zu vermeiden ist es dann allerdings entscheidend die Ursachen zu erkennen und auszuschalten. Dafür steht eine Analyse der Muskelgruppen, Achsverhältnisse und Muskelfunktion an, welche eben nicht nur auf das Kniegelenk beschränkt werden dürfen. So kann z.B. auch eine veränderte Schulterbeweglichkeit die Haltung und Belastungsmechanik des Kniegelenks ungünstig beeinflussen.

Da jedoch etliche Probleme erst in der Laufbewegung entstehen, kann es auch notwendig werden, das ganze System dynamisch zu analysieren.

Mittlerweile stehen uns hierfür auch im Amateurbereich hocheffektive Analysetools zur  Verfügung, wie sie noch vor einigen Jahren nur im Profibereich Anwendung fanden und weit über die herkömmliche Laufbandanalyse beim Schuhkauf hinausgehen. Eine solche computergestützte Analyse im Bewegungslabor liefert hochspezialisierte und effektive Daten der einzelnen Bewegungsabläufe, welche sich dann effektiv in die Therapieplanung umsetzten lassen.

Am Rad hingegen ist oftmals ein professionelles Bikefitting mit manchmal kleinen aber entscheidenden Veränderungen empfehlenswert. (Empfehlung von Bergsport360: In Regensburg macht da Ludwig beim Irontrizone eine wirklich gute Retül-Anpassung, Richtung Nürnberg gibt es nur „the-one-and-only“ Buchstaller 😉 ).

Ist einmal die Ursache gefunden gilt es über gezielte Koordinations- und Stabilitätsübungen insbesondere eben auch die Becken- und sprunggelenksstabilisierende Muskulatur zu stärken.  Dies geschieht bekanntermaßen nicht über Nacht und muss daher wirklich konsequent und regelmäßig durchgeführt werden.

Eine strikte Laufpause ist meiner Ansicht nach währenddessen nicht zwingend nötig und manchmal sogar kontraproduktiv  (vorausgesetzt natürlich, dass keine Begleiterkrankung vorliegt die dies erforderlich machen würde). Sehr wohl sollte man allerdings individuell mit den Patienten die möglichen Belastungen und Umfänge besprechen und Hauptaugenmerk auf Lauftechnik und schmerzfreies Laufen legen.

 

Dr. med. Michael Dengler

OTC | Regensburg

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