U.TLW: König vom Bayerwald – Rennbericht

Rennbericht zum Ultra Trail Lamer Winkel

Da ist er nun der U.TLW! Ich frage mich, hat das Training ausgereicht? Alle Trainingseinheiten meines Trainingsplans konnte ich leider nicht einhalten. Es ist Samstag der 02.06.2018 um 8:00 Uhr und ich stehe an der Startlinie des Ultra Trail Lamer Winkel. Mein erster wirklicher Ultralauf. Ich habe ein mulmiges Gefühl. Ich weiß nicht genau, was auf mich zukommen wird. Bisher habe ich nur an Rennen zwischen 20 und 35 Kilometern teilgenommen. Gleich startet mein bisher längster Lauf mit 54km und rund 2800 Höhenmetern.

U.TLW am Start
U.TLW am Start

Startschuss!- Es geht mit einer lockeren Runde um den Seepark in Arrach los. Dann geht es erstmal recht gemütlich die ersten zwei Kilometer über Wiesen zum Einstieg zum ersten Trail in Richtung Eck. Es ist sehr schwül und auf den ersten Metern bergauf geht es relativ langsam in Kolonne in Richtung Eck zur ersten Verpflegungsstation.  Eigentlich gut für mich, da ich mich oft hinreißen lasse und viel zu schnell starte. Für die Spezialisten ist hier schon das erste Highlight- die Bergwertung. Zu gewinnen gibt es für den schnellsten Läufer 150 Euro. Gewonnen hat Moritz Auf der Heide. Ich komme etwas später als Moritz an, aber kann nach einem kurzen Foto gleich weiterlaufen, da ich noch genügend Getränke habe. Schnell noch ein Stück Banane in den Mund geschoben und schon geht es weiter in Richtung großer Arber.

Nun geht es auf dem sehr schönen Höhenweg in Richtung Großer Arber. Der 15km lange Streckenabschnitt hat es in sich, ein technisch anspruchsvoller Trail, der ständig einen Wechsel von Auf und Ab beinhaltet. Ich passiere den Mühlriegel (1080m) sowie den Ödriegel, dann geht es weiter zum Schwarzeck (1238m), welches ein wahres Stimmungsnest ist. Alle Läufer werden kräftig mit Kuhglocken und Zurufen angefeuert. Weiter geht es in Richtung Schareben, immer den Goldsteig/ E6  Wanderweg entlang. Es folgen der Enzian (1287m), der kleine Arber (1383m) und dann der höchste Berg des Bayerischen Waldes, der Große Arber (1456m). Hier befindet sich bei Kilometer 24 und bei rund 1600 Höhenmetern die zweite Verpflegungsstation. Auch hier ist viel los und es wird super angefeuert, da im Starterparket für die Angehörigen ein 50% ermäßigtes Ticket für die Bergbahn enthalten ist.  Mir geht es bis dahin wirklich gut, jedoch bekomme ich bei den hohen Stufen in Richtung Gipfel meinen ersten kleinen Krampf. Normalerweise habe ich nie Krämpfe, aber heute habe ich einmal gespürt, wie unangenehm das ist. Es lag wohl an der ungewohnten Stufenhöhe.  Also kurz gedehnt und eine Salztablette an der Verpflegungsstation am Gipfel genommen und dann geht der lange Downhill in Richtung kleiner Arbersee schon los. Wie sich herausstellte, zum Glück der einzige Krampf heute.  Es geht weite Teile auf der Forststraße schnell bergab.

Eine Runde um den landschaftlich sehr schön gelegenen, kleinen Arbersee folgt. Es geht hinab ins Tal in Richtung Lohberg auf der Forststraße. Hier folgt am Wanderparkplatz eine schnelle Verpflegung mit Iso und Cola, dann laufe ich weiter zum nächsten Anstieg. Weiter  geht es zuerst durch den Wald, dann auf einer langen, nie endenden Forststraße hoch in Richtung Scheibe, hier ist die nächste Verpflegungsstation. Meine Partnerin, Natascha und eine Freundin warten dort auf mich und feuern mich an.

Mit einem Gel und etwas Essen gestärkt geht es nun nochmals runter. Auf dem Weg hoch zum Zwercheck (1333m) komme ich mit einem anderen Läufer ins Reden und wir überlegen, ob es noch zu schaffen sei, die letzten rund 17km in einer Stunde zu schaffen, denn dann würden wir unter sieben Stunden einlaufen. Mal abwarten was noch kommt, war der erste Gedanke. Es stellt sich allerdings heraus, dass auf Grund der technisch anspruchsvollen weiteren steilen Streckenabschnitte, bergauf wie bergab, für mich sieben Stunden nicht zu schaffen sind. Vom Zwercheck runter geht es dann lange parallel zum Berg auf einer Forststraße zum letzten großen Anstieg, den Großen Osser (1293m). Ich kann auf der Geraden noch gut laufen und eine gute 5:30er Pace ist doch noch machbar. Dabei gelingt es mir sogar noch einige Läufer einzuholen und fit in den Anstieg zu gehen. Der Uphill hat es nochmals in sich, es geht relativ steil und verblockt in Richtung Gipfel. Es sind viele Steinplatten und Stufen zu überwinden. Jedoch wartet am Gipfel die letzte Verpflegungsstation mit Blasmusik und Bier. Eine zusätzliche Motivation, mich  schnell nach oben zu kämpfen. Dort angekommen freue ich mich nach einem Schluck alkoholfreien Weizen auf die letzten 7,2 km in Richtung Ziel in Lam.

Bei der Wettkampfbesprechung hieß es, dass die letzten Meter nochmals sehr anspruchsvoll werden. Ich dachte mir, so schlimm kann es nun gar nicht mehr werden. Es geht vom Ossergipfel rund 250 Meter auf einem breiten Wanderweg schnell bergab. Dann wird es nochmal richtig technisch! Bei der Maria Hilf Kapelle biegen wir auf den letzten Trailabschnitt ein. Es geht über Felsen, teilweise mit Kletterpassagen, wo Seile zur Hilfe stehen, dieser Trail zieht sich  rund vier Kilometer entlang des Berges. Dabei bildet sich eine Schlange an Läufern und wir kämpfen uns weiter voran. Der schmale Pfad schlängelt sich den Berg entlang, es geht rauf und runter über Stufen, Felsen und Wurzeln.  Dieser  Part ist wirklich sehr anstrengend, schließlich stehen schon 50km auf der Uhr. Dann kommt ein Schild mit „Holy Trail“. Einfacher wird es nicht, aber ein sehr schöner Trail! Hier habe ich es nicht mehr geschafft, weitere Bilder zu machen.

Dann endlich, man hört schon die Menge am Marktplatz in Lam jubeln, geht es bergab, noch kurz über eine Wiese und dann geradeaus in Richtung Ziel! -Es ist endlich geschafft! Ich überquere nach 08:08:04 Stunden die Ziellinie! Es hat für Platz 180 von 328 (Männern) gereicht! Damit bin ich sehr zufrieden und glücklich, vor allem, dass ich ohne Verletzung und Probleme durch gekommen bin! Ja es war sau anstrengend, aber jeden Meter wert! Die Landschaft sowie die Aussichten entschädigen alle Strapazen. Der erstplatzierte Läufer Lukas Naegele hat übrigens mit einer für mich unvorstellbaren Zeit von 05:01:19 Stunden eine super Leistung gezeigt! Bei den Damen hat Eva Sperger mit einer ebenso tollen Zeit von 5:45:46 als Erste gefinisht.

Anja ist für uns auf der kürzeren Strecke, dem Osser-Riesen, gestartet und hat hier einen sensationellen dritten Platz belegt!

Fazit

Der Lauf ist jeden Meter wert! Sehr anspruchsvolle Trails, die mächtig Spaß machen! Der U.TLW ist perfekt organisiert und es herrscht eine tolle Stimmung. An der Strecke wird super angefeuert und die Verpflegung ist auch bestens.

2019 werde ich sicher wieder an der Starlinie stehen!

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